Existenzgründung durch Frauen - Frauen gründen anders
Etwa ein Drittel aller Selbstständigen sind Frauen. Fast jedes fünfte Unternehmen im deutschen Mittelstand wird von einer Frau geführt. Und auch das Gründungsinteresse von Frauen liegt auf einem Rekordhoch. Laut IHK-Gründerreport ist der Anteil der Gründerinnen auf 40 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Dennoch sind Frauen bei den Existenzgründungen immer noch zu wenig vertreten. Blickt man auf die Vollerwerbsgründungen, wird der Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Gründungsverhalten deutlich: Nur gut jede dritte Vollerwerbsgründung wird von einer Frau vorgenommen.
Neben den geschlechtsspezifischen Unterschieden gibt es einen ganz praktischen Grund für die geringere Bereitschaft zur Unternehmertätigkeit bei Frauen. Im Gegensatz zu den männlichen Selbständigen können sich viele Gründerinnen ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter nicht entziehen. So ist es auch wenig verwunderlich, dass unter Nebenerwerbsgründern besonders viele Frauen zu finden sind.
Hemmnisse: Berufswahl und geringere Risikobereitschaft
Eher hemmend für die Selbständigkeit ist auch die Berufswahl vieler Frauen: Sie entscheiden sich eher für Büro-, Verkaufs-, Reinigungs- und Gesundheitsdienstberufe sowie für soziale und pädagogische Tätigkeiten. Diese typischen Frauenberufe rüsten für eine Existenzgründung tendenziell eher schlechter aus. Interessant könnte in den nächsten Jahren allerdings der Gesundheitsbereich werden, da er als Wachstumsmarkt gilt.
Auch familiäre Verpflichtungen können eine Existenzgründung hemmen: durch Zeitmangel, eine schlechtere finanzielle Basis, geringere Berufserfahrung und weniger Kontakte im angestrebten Tätigkeitsbereich. Doch haben Frauen viele Pluspunkte vorzuweisen: Sie stehen als Gründerinnen in dem Ruf, ihre Kredite zuverlässiger zurückzuzahlen und seltener für Kreditausfälle verantwortlich zu sein. Der risikobewusste Umgang mit Geld geht oft einher mit einer genau durchdachten Finanzplanung.
Netzwerke nutzen
Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen könnten Gründerinnen die vorhandenen Netzwerke zum Teil noch besser nutzen. Denn die Angebote sind zahlreich: So gibt es etwa Stammtische und Clubs für den regelmäßigen Erfahrungsaustausch, Vereine speziell für Gründerinnen und Unternehmerinnen, zudem eigene Unternehmerinnen-Berufsverbände. Darüber hinaus existieren an vielen Standorten Unternehmerinnen-Zentren, die Gründerinnen und Unternehmerinnen nicht nur Arbeitsräume zu günstigen Mieten anbieten, sondern gleichzeitig auch ein berufliches Netzwerk vor Ort.
Fazit: Auf die Gründerpersönlichkeit kommt es an
Auch wenn es einige signifikante Unterschiede zwischen dem Vorgehen von Gründerinnen und Gründern gibt - für eine erfolgreiche Selbständigkeit ist das Geschlecht letzten Endes nachrangig. Wichtig sind vielmehr die Qualifikation und das Fachwissen, und ganz besonders die passende Persönlichkeit. So zeichnen sich Gründertypen beispielsweise durch eine größere Risikotoleranz und eine höhere Leistungsbereitschaft sowie durch eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber Veränderungen aus. Und das gilt für männliche Gründer genauso wie für weibliche. Dabei ist es allerdings für Frauen besonders wichtig, dass die Existenzgründung zur Lebenslage passt, also die familiäre, finanzielle und fachliche Situation berücksichtigt.



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